Landesgedenkstättenseminar

Landesgedenkstättenseminar der Politsche Memoriale e.V. 29./30.11.2007 in Peenemünde und am Golm


Prof. Matthias Pfüller (Politische Memoriale e.V./ Fachhochschule Mittweida) bilanzierte die gegenwärtige Situation der Gedenkstätten in ihrer öffentlichen Wahrnehmung, ihrem Aufgabenspektrum und den ihrer Suche nach geeigneten Wegen der Wissensvermittlung. Referenten aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen beleuchteten das ambivalente Verhältnis von Gedenkstätten und Tourismus.
Gedenkstätte, Erinnerungsort, Lernort der Geschichte? Kriegsgräberstätten sind vielerorts zwischen Elbe und vorpommerscher Küste zu finden. Auf der Insel Usedom erinnern vor allem die Kriegsgräberstätten am Golm und in Karlshagen an die Konsequenzen einer Politik, die die Heeresversuchsanstalt Peenemünde vor allem als Waffenschmiede nutzte. Die touristische Deutung zur "Wiege der Raumfahrt" sei deshalb unzulässig, weil sie zu vieles ausblende, erläuterte Christian Mühldorfer-Vogt, Leiter des HTI in Peenemünde. Ausführlicher Bericht folgt, Presseartikel siehe unten.

Urlaub in Gedenkstätten? (Ostsee-Zeitung, 30.11.2007)

Gedenkstätten und Urlaub – passt das zusammen? Dieser Frage spürte gestern ein Landesgedenkstättenseminar nach, das ganz unterschiedliche Erfahrungen zeigte.

Peenemünde. Für zwei Tage sind 30 Kulturhistoriker nach Usedom gekommen, um den Zusammenhang von Urlaub und Gedenkstätten zu diskutieren und vor allem Erfahrungen auszutauschen.
Andreas Wagner vom veranstaltenden Landesverband Politische Momoriale beschrieb das Verhältnis zwischen Gedenkstätten als Orte der Trauer und der Zeit der Erholung als ambivalent. Dennoch berichtete HTI-Chef Christian Mühldorfer-Vogt, dass es sich bei den 230 000 Peenemünder Besuchern 2006 maßgeblich um Touristen handelte.International würde das HTI sogar als touristisches Alleinstellungsmerkmal der Insel gewertet. In Anbetracht der Rolle als Heeresversuchsanstalt warnte er allerdings Touristiker davor, Peenemünde allein als Wiege der Raumfahrt zu bezeichnen.

Dr. Martin Bütow, „Haus der Wirtschaft“ Stralsund, wartete mit sieben Thesen zum Verhältnis Gedenkstätte-Tourismus auf: Danach würden Gedenkstätten eher nachrangig als bewusst als touristische Ziele wahrgenommen. Ihre Attraktivität entspringe überwiegend dem „Gänsehauteffekt“, und Inszenierungen würden Authentizität und Glaubhaftigkeit der Gedenkstätten gefährden. Festgestellt habe er ferner, dass Gedenkstätten wertneutraler empfunden würden, je länger der Anlass zurück liege. Die Zusammensetzung der zu Stätten Reisenden beweise außerdem, dass es sich in erster Linie um Bildungs- oder Gedenkstättentourismus handele, so Bütow. Auf eine kurze Formel gebracht, vertritt er die These: „Gedenkstätten im Urlaub? Ja, aber nicht Urlaub wegen des Besuchs von Gedenkstätten.“ Bütow bemängelte, dass es zum Verhältnis von Memorialen und Tourismus bislang so gut wie keine Forschung gibt. Damit sind u.a. Gründe für den Besuch einer Gedenkstätte im Urlaub bislang unerforscht. Damit könne man nur mutmaßen, weshalb z. B. Touristen Gedenkstätten besuchen und ob in diesem Zusammenhang das Gedenken noch gerechtfertigt ist.

ANGELIKA GUTSCHE


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