Kriegsgräberstätte Golm
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Kriegsgräber- und Gedenkstätte Golm



AKTUELLER HINWEIS:

Seit dem 12. März 2012 werden die Namen aller bekannten auf dem Golm ruhenden Kriegstoten und die Namen der Opfer des 12. März 1945 mit unklarer Grablage auf Kunststofftafeln auf dem Golm präsentiert.
Im August 2010 hatte der Volksbund nach mehreren Diebstählen alle noch vorhandenen Bronze-Namenstafeln vom Golm entfernen lassen.
Fotos aller 2010 gestohlenen bzw. demontierten Gedenk- und Namenstafeln finden Sie hier !




Kriegsgräber- und Gedenkstätte Golm

Der Golm (69m), in einem herrlichen Naturschutzgebiet direkt an der polnischen Grenze gelegen, ist die höchste Erhebung auf der Insel Usedom. In der Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich der bronzezeitliche Burgwall durch die Gründung der preußischen Hafenstadt Swinemünde zu einem beliebten Ausflugsziel. Vor allem Einheimische trafen sich in „Onkel Thoms Hütte“ auf dem Golm, an dessen Fuß sich ein Bahnhaltepunkt befand.

Die furchtbaren Ereignisse des 2. Weltkrieges hinterließen in dieser idyllischen Landschaft traurige Spuren. Im Sommer 1944 entstand auf halber Höhe des Golms ein Soldatenfriedhof. Mehr als 250 Marinesoldaten, so die Besatzung eines gesunkenen U-Boots, und mindestens 1000 Angehörige von Heer und Luftwaffe fanden hier bis Kriegsende ihre letzte Ruhe.

Anfang März 1945 war Swinemünde mit Flüchtlingen und Soldaten überfüllt. Am östlichen Swineufer warteten kilometerlange Trecks auf die Überfahrt. Im Hafen lagen etliche voll besetzte Flüchtlingsschiffe aus Hinterpommern, West- und Ostpreußen. Auf dem Bahnhof standen überfüllte Lazarett- und Flüchtlingszüge zur Abfahrt bereit, als 671 amerikanische Bomber am 12. März die Stadt mit ungeheurer Bombenlast in ein brennendes Inferno verwandelten. Der Angriff galt dem Hafen, der auch von der deutschen Kriegsmarine intensiv genutzt wurde. Nach Schätzungen aus der unmittelbaren Nachkriegszeit, die heute von Historikern weitgehend bestätigt werden, starben zwischen 6000 und 14000 Menschen in der Mittagsstunde des 12. März 1945. (Die lange kolportierte Zahl von 23000 Opfern konnte einer politischen Konstruktion der lokalen DDR-Geschichtsschreibung der späten 1960er Jahre zugeordnet werden.)
Den Überlebenden bot sich ein grauenvolles Bild. Es blieb kaum Zeit für die Registrierung der Toten. Die Front war nahe und weitere Flüchtlinge strömten in die stark zerstörte Stadt. Manches Opfer fand seine letzte Ruhe in Bombentrichtern und auf den Friedhöfen der Stadt. Die Toten aus dem Stadtteil Ostswine wurden in einem Massengrab östlich der Swine beigesetzt, das bis heute nicht exakt zu lokalisieren war. Mehrere Tausend Bombenopfer wurden mit Pferdegespannen und Lastkraftwagen zum Golm gebracht. Etwa 500 identifizierte tote Zivilisten setzte man links vom heutigen Eingang der Kriegsgräberstätte bei, der weitaus größere Teil musste anonym in Gemeinschaftsgräbern bestattet werden, darunter auch Zwangsarbeiter aus den Niederlanden und Polen.

Nur einzelne Angehörige kümmerten sich in den ersten Nachkriegsjahren um die Gräber, da die meisten Überlebenden als Flüchtlinge weiter nach Westen gezogen waren.
Seit 1950 bemühten sich Vertreter der ev. Kirche um den in der Zwischenzeit stark verwilderten Friedhof und rangen mit regionalen staatlichen Stellen der DDR um eine angemessene Form des Gedenkens auf dem Golm und um eine würdige Gestaltung der Anlage. Die 1952/53 von dem Bansiner Bildhauer Rudolf Leptien angefertigte Skulptur „Die Frierende“ durfte nicht aufgestellt werden, weil die künstlerische Aussage nicht der Linie der Partei entsprach. Erst 1984 fand die Plastik des schon 1953 nach Westberlin geflohenen Künstlers durch eine spontane private Initiative ihren Platz auf dem Golm. „Unbekannte Täter“, so die offizielle Verlautbarung, sägten im Frühjahr 1954 ein kurz zuvor auf kirchliche Initiative installiertes 13 Meter hohes Holzkreuz ab und zerstörten es.
Ende der 1960er Jahre ließ der Rat des Kreises Wolgast die gesamte Kriegsgräberstätte mit den vier Gräberfeldern als weiträumige Rasenfläche ohne christliche Symbolik einheitlich neu gestalten. Zwischenzeitlich auf Betreiben des Demminer Superintendenten Dr. Herbert Achterberg aufgestellte Granitkreuze und Namensteine ließ man 1969 beseitigen, die verbliebenen Einzelgräber einebnen und die Abgrenzungen zwischen den vier Friedhöfen entfernen. Für die Stelle, an der einst das Kreuz gestanden hatte, gestaltete der Rostocker Künstler Wolfgang Eckardt im staatlichen Auftrag einen zweigeteilten Rundbau aus Beton als zentralen Punkt der Anlage und „Mahnmal gegen Krieg und Faschismus“. Der Bau setzt bewusst einen Kontrast in der lieblichen Landschaft und will ausdrücken, dass alle Kriegstoten - Soldaten und Zivilisten - hier auf dem Golm vereint sind. Das Denkmal mit dem mühsamen Aufstieg über zwölf Betonstufen, die für die Jahre der NS-Herrschaft stehen, blieb unvollendet. Ein auf der Innenseite geplantes Relief kam nicht zur Ausführung. Die Worte Johannes R. Bechers „Dass nie eine Mutter mehr ihren Sohn beweint“ fordern uns auf, Gewalt und Kriege zu verhindern.

Die am 12. März 1992 von einigen Kamminkern und dem Zirchower Pastorenehepaar Simon gegründete Interessengemeinschaft Gedenkstätte Golm e.V. setzte frühere Gestaltungsideen anlässlich des 50. Jahrestages der Zerstörung Swinemündes um. Am Wegeaufgang weist nun ein fünf Meter hohes Holzkreuz auf die Gedenkstätte hin und mahnt in Sichtweite der polnischen Grenze zur Versöhnung über Gräber und Grenzen hinweg. Symbolkreuzgruppen aus Granit und Holz und Bronzetafeln mit inzwischen fast 2000 Namen erinnern an die Genannten, aber ebenso an die vielen unbekannten Toten, die hier und unter den Trümmern der Stadt Swinemünde ihr Grab fanden.

Am 1. März 2000 ist die größte Kriegsgräberstätte des Landes Mecklenburg-Vorpommern in die Trägerschaft des Volksbundes übergegangen, der damit die Pflege und Erhaltung dieses Friedhofes übernommen hat. Eine Dauerausstellung ist im 2001 errichteten Informationsgebäude zu sehen. Jährlich führt der Volksbund am 12. März und am Volkstrauertag Gedenkstunden auf dem Golm durch.

Am 12. März 2005 eröffnete der Volksbund die nur 400 Meter entfernte Jugendbegegnungsstätte Golm in Kamminke, die auch der 2005 aufgelösten Interessengemeinschaft ein zentrales Anliegen war, und nun deren Aufgaben weiterführt. Sie steht vor allem für Schulprojekte und internationale Jugendbegegnungen offen. Auch Vereine und Institutionen wie Kirchen, die Bundeswehr, Universitäten oder die Bundespolizei nutzen die Begegnungsstätte im Rahmen ihrer Jugend- und Erwachsenenbildung. Durch die unmittelbare Nachbarschaft zum Golm haben Jugendliche die Möglichkeit direkt vor Ort Geschichte zu erfahren, den Golm als Lernort zu nutzen. An den Gräbern der Opfer von Krieg und Gewalt begreifen junge Menschen, wie wertvoll Frieden ist, und sollen motiviert werden, Verantwortung für eine friedliche Zukunft zu übernehmen.

Führungen nach Voranmeldung sowie Literatur zur Kriegsgräberstätte bietet die Jugendbegegnungsstätte Golm an. Der Volksbund sammelt dort Materialien zur Geschichte der Kriegsgräberstätte. Auch Angehörige werden betreut und können als Zeitzeugen in die pädagogische Arbeit eingebunden werden.
Kontakt: Jugendbegegnungsstätte Golm, Dorfstraße 33, 17419 Kamminke, Telefon: 038376-2900, Fax: 038376-29068, E-Mail: info@jbs-golm.de, Internet: www.jbs-golm.de

Die Pflegepauschale des Bundes reicht nicht aus, um die Kosten für den Erhalt der Anlage zu decken. Bitte helfen Sie uns mit Ihrer Spende, diese bedeutsame Stätte des Gedenkens, der Mahnung und der Begegnung zu erhalten.

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
Werner-Hilpert-Straße 2 • 34112 Kassel, Deutschland
Telefon: +49(0)561-7009-99
Telefax: +49(0)561-7009-221
http://www.volksbund.de • E-Mail: info@volksbund.de

Pate dieser Kriegsgräberstätte:
Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
Landesverband Mecklenburg-Vorpommern
Johannes-Stelling-Straße 3 • 19053 Schwerin, Deutschland
Telefon: +49(0)385-5918430 • Telefax: +49(0)385-59184331



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